Magersucht

Essstoerung_1

Trotz aller guter Vorsätze und Bemühungen um Disziplin bekam ich mein zügelloses Essverhalten nicht in den Griff.

Ich bin 45 Jahre alt, ausgebildete Lehrerin, seit 18 Jahren Ehefrau, Mutter und Hausfrau. Im Alter von 17 Jahren wurde ich während eines Auslandaufenthaltes magersüchtig, mein Körpergewicht nahm innerhalb von 3 Monaten auf 38 kg ab. „Sinn und Zweck“ der Magersucht war, meine unerträglichen Heimwehgefühle unter Kontrolle zu halten. Ein Jahr später wieder zuhause angekommen, setzten mich meine Eltern wegen meines Untergewichtes stark unter Druck; ich reagierte mit Esssucht. Schon bald litt ich sehr unter meinem inzwischen hohen Gewicht (72 kg) und meinem Aussehen. Trotz aller guter Vorsätze und Bemühungen um Disziplin bekam ich mein zügelloses Essverhalten nicht in den Griff. So begann ich Abführmittel in rauen Mengen – bis zu 200 Mal überdosiert! – zu konsumieren. Auf diese Weise nahm ich nun zwar bis zu einem „normalen“ Gewicht ab, aber an meinem Essverhalten änderte sich dadurch (natürlich) nichts. Aus lauter Angst wieder so dick zu werden, hielt ich an dieser zerstörerischen Handlungsweise fest. Irgendwann entdeckte ich dann das Erbrechen (Bulimie) als „praktischere“ und auch billigere Alternative zu den Abführmitteln.

Obwohl die Bulimie (Ess-Brechsucht) fortan mein ständiger Begleiter war, habe ich mit Aufbietung all meiner körperlichen und psychischen Kräfte meinen Alltag äußerlich irgendwie mehr schlecht als recht bewältigt. Dann aber – ausgelöst durch ein traumatisches Erlebnis – wurde die Bulimie übermächtig, ich war ihr jetzt völlig willenlos ausgeliefert und sie zog mich immer tiefer in den Abgrund. Nur aufgrund der Verantwortung, die ich meiner Familie gegenüber empfand, stellte Selbstmord für mich keine Option dar, aber so konnte ich auch nicht weiter leben; ich brauchte dringend Hilfe. Diese suchte ich zunächst in der Medizin und Psychologie. Eine jahrelange Odyssee begann: Ich besuchte regelmäßig eine Selbsthilfegruppe, nacheinander 3 Neurologen, 3 Psychologen, nahm 5 verschiedene Psychopharmaka und begab mich zuletzt stationär in eine psychosomatische Klinik (speziell für Essstörungen). Nichts von alledem half mir wirklich, meine Krankheit schien unüberwindbar.

Im März 2010 bekam ich dann einen Flyer vom Christlich Therapeutischen Seelsorgezentrum Heidelberg in die Hand und nahm Kontakt mit Pastor Becker, dem Leiter dieser Einrichtung, auf. Besonders in den ersten der nun folgenden ca. 20 therapeutischen Seelsorgegesprächen konfrontierte mich Herr Becker mit biblischen Zusagen Gottes und setzte so einen Genesungsprozess bei mir in Gang. Dieser war hart, schmerzhaft und auch immer wieder mit Rückfällen verbunden, die aber mit der Zeit deutlich seltener wurden. Als gläubige Christin habe ich mich oft gefragt, warum Gott mich nicht leichter, einfach durch ein Wunder, genesen lässt. Du_bist_nicht_was_du_wiegst Doch mir wurde immer klarer, dass meine Krankheit Folge starker psychischer Verletzungen war, zu deren Überwindung ich den Menschen, die mir sehr weh getan hatten, vergeben, falsche internalisierte Denkmuster loslassen und mein Denken und Verhalten von Gott heilen und erneuern lassen musste.

Erschwerend für den Genesungsprozess war, dass ich wenig Selbstwertgefühl hatte, gewohnt war, mir meinen Wert und die daraus resultierende psychische Stabilität täglich neu zu „erarbeiten“ – eine immer wieder zum Scheitern verurteilte Anstrengung! Entsprechend ging es in der seelsorgerlichen Therapie bei Herrn Becker u.a. darum, von Leistungsdenken und Menschenfurcht weg hin zu einem Selbstwert zu gelangen, der sich allein auf die Zusagen der Liebe und Wertschätzung Gottes gründet. Um diesen heilmachenden Prozess nicht zu gefährden, war es für mich auch nötig, vorübergehend Kontakt zu Personen abzubrechen (u.a. zu meiner Mutter), die diesem Heilwerden hinderlich gewesen wären.

Ein weiterer schwieriger „Meilenstein“ in der seelsorgerlichen Therapie bestand darin, mein Kontrollverhalten an Gott abzugeben und zu vertrauen, dass Er mein „ganzes Sein“ im Griff hat und es gut mit mir meint. Durch die Krankheit war ja mein Leben immer wieder „aus den Fugen“ geraten und das einzige, was ich noch „im Griff“ hatte, war die Kontrolle über mein Körpergewicht. Diese loszulassen und an Gott abzugeben, fiel mir extrem schwer, es gelang mir erst nach und nach.

Die immer wieder schmerzlich erfahrene eigene Machtlosigkeit gegenüber der Sucht und die daraus resultierende seelische und körperliche Kraftlosigkeit haben mich auf eine grausame Weise gelehrt, dass ich meiner selbst und meiner Lebensführung nicht wirklich Herr bin und dass es deshalb klug ist, mich bis in die alltäglichsten „Selbstverständlichkeiten“ dem anzuvertrauen, der mich geschaffen hat und deswegen auch am besten weiß, was gut für mich ist.

Nach fast 28 Jahren, die ich unter Magersucht, Esssucht und Bulimie litt, Magersucht_Artikelverfüge ich jetzt über genügend „Rüstzeug“, um der Krankheit Widerstand leisten zu können. Mit Gottes Hilfe gelingt mir das aufs Ganze gesehen inzwischen ziemlich gut, auch wenn ich dabei ab und an noch einmal versage, wenn der Alltag mich allzu sehr überfordert.

Zu einem biblischen Leitwort, an dem ich mich immer wieder festhalte, ist mir dabei eine Zusage geworden, die Gott Josua gab als dieser das Volk Israel in das verheißene Land führen sollte: „Nur sei recht stark und mutig, dass du darauf achtest, nach all meinen Weisungen zu handeln! Weiche nicht davon ab, weder zur Rechten noch zur Linken, dann wirst du überall Erfolg (für mich: ein Leben ohne Essstörung) haben. Sei stark und mutig und fürchte dich nicht. Denn mit dir ist der Herr, dein Gott, wo immer du gehst.“ (Josua 1,7&9)

An dieser Stelle möchte ich Herrn Becker herzlich danken, der mich (menschlich gesehen) hoffnungslosen, austherapierten „Fall“ nie aufgegeben hat, mich im vergangenen Jahr durch seine einfühlsame und zugleich kompetente Art aufgerichtet und mich nicht zuletzt durch seine vielen Gebete in dieser schwierigen Zeit begleitet hat.

Heidelberg, im März 2011

(Da Essstörungen immer noch schambesetzt sind, möchte ich gerne anonym bleiben. Ich bin aber gerne bereit, anderen Betroffenen über den vertraulichen Kontakt mit dem Christlich Therapeutischen Seelsorgezentrum Heidelberg mit meinen Erfahrungen behilflich zu sein.)

„Ich springe und ich bin als einzigartiges Ich in Gottes lebendigen Baum des Lebens.“

Gott hat all mein Vorstellungsvermögen überstiegen, ich spüre wie gut er es mit mir meint, wenn ich wirklich auf ihn vertraue und ich als mein einmaliges Ich, als Geschöpf und Kind Gottes, lebe. Er schenkt mir wirklich Leben in Fülle. Ich teile gerne meine Erfahrungen, um Menschen mit ähnlichen Problemen, einen Weg zu zeigen. Und lasst euch nicht von anderen Menschen davon abbringen ins christlich-therapeutische Seelsorgezentrum zu gehen!

Zu mir und meinem Weg der Heilung:

Mit ca. 13 ½  (vor nun ca. 6 Jahren) nahm ich immer weiter ab, alles um mich herum wurde schwerfälliger und düsterer. Diagnostiziert wurde Magersucht und eine Depression. Trotzdem war ich immer noch im Tun, war viel engagiert und lernte und lernte… Auf die Sorgen (zu Gewicht, Stimmung, Perfektionsdrang) meiner Eltern und Ärzte hörte ich nicht wirklich, es berührte mich nicht in meinem Inneren. Ich schaffte es nicht mein Verhalten zu ändern. So kam ich Anfang des Jahres 2014 in die Kinderklinik. Meine Eltern und Ärzte trafen diese Entscheidung, denn meine Herzwerte waren im kritischen Bereich. Danach war ich für vier Monate im ZI in Mannheim. Ich wollte lieber nach Hause, doch es musste sein, wie es hieß. Die Zeit dort hat mir auf jeden Fall etwas gebracht: Ich habe zugenommen! Aber meine Einstellungen und Überzeugungen haben sich nicht wirklich grundsätzlich verändert. Zum Überleben war es wichtig, ich konnte und wollte damals nicht einsehen, dass ich Hilfe brauchte. Nach der Zeit in der Klinik besuchte ich wieder eine Psychotherapeutin. Doch die Themen Essen, Gewicht und Bewegungsdrang ließen mich nicht wirklich los. Mit diesen Aspekten  versuchte ich weiterhin Ordnung in mein Leben zu bringen, mich zu kontrollieren und zu perfektionieren. Doch eigentlich war es immer noch Ausdruck meiner Selbstablehnung, wie ich durch Herrn Becker erkennen konnte. Das ist nicht Gottes Wille!. So steht bei einer Magersucht ja die Frage im Raum: “Bin ich mir selbst so wenig wert, dass ich mich selbst verhungern lassen will? “
Nun aber nach dem Abi im Sommer 2018 war wieder Zeit und der Raum mich wirklich mit mir zu beschäftigen. Denn ich war ja jetzt die, die ihren eigenen Weg geht und auch als eigene Persönlichkeit z.B. ihren Freiwilligendienst macht. Da ich selbst meine Probleme erkannte und etwas ändern wollte, war ich auf der Suche nach einer Therapie oder Ähnlichem, aus eigenem Wunsch! Tagtägliche Bauchschmerzen, Gedanken ums Essen, Stimmungsschwankungen, dauerhafte innere Unruhe sowie Bewegungsdrang zeigten mir selbst, dass ich Hilfe braucht.
Irgendwann war ich auf einer Demonstration in Heidelberg und las das Schild „christlich therapeutisches Seelsorgezentrum”. Es blieb mir im Kopf hängen! Und nicht mehr als zwei Wochen vergingen, als ich eine Mail an das Seelsorgezentrum schrieb. Noch am Abend bekam ich einen Rückruf, sogar um 20:30 Uhr. Hier wurde mir schon klar, das es dort besonders ist. Und dann bekam ich gleich für die kommende Woche einen Termin. Mit ziemlicher Aufregung ging ich zu Herrn Becker und als wir zu Beginn gebetet haben, wurde ich ruhig und meine Aufregung legte sich. Ich fühlte mich angenommen, hatte das Gefühl ehrlich sein zu können und am richtigen Ort angekommen zu sein. Meine Zweifel, sowie nicht alles erklären zu können, da meine Geschichte komplex ist, legten sich durch das erste Gebet, in dem ich hörte, dass Gott mich ganz genau kennt!

Schon nach dem ersten Gespräch bei Herrn Becker fühlte ich mich aufgerichteter, auch körperlich. Ich sollte laut eine Selbstproklamation beten, um mir meiner Selbst wert bewusst zu werden. Anfangs viel mir das sehr schwer, doch es ging immer besser. Es wirkte in mir, Gottes Wort. Mit der Zeit habe ich immer mehr erkannt und in meinen Herz gespürt, dass ich mich mögen, zu mir stehen und meinen eigenen Weg gehen darf und will. Dass Gott einen einmaligen Plan für mich hat und er mir seinen Weg zeigt. Dass ich mich nicht immer minderwertig und von Leistung abhängig fühlen müsse. Auch wenn meine Eltern mich viel ermutigten und ich eine wirklich gute Kindheit mi viel Liebe verbrachte, spürte ich die Werte meiner Eltern: Sie forderten zwar nicht direkt sehr gute Leistungen von  mir, aber sie lebten mir solche täglich vor! Und sie waren ja meine Vorbilder! Die Aussage “Versuche es so gut, wie du es kannst” prägte mich. An sich klingt das ja auch gut und ich finde es wichtig ehrgeizig zu sein und auch was zu leisten. Doch bei mir war eher so: “Ich mache es so gut wie ich kann, ohne wirklich bewusst darauf zu achten, dass es mir damit noch gut geht.” Das ist nicht gut für die eigene Persönlichkeit und Gesundheit.  Dadurch, dass ich empfindlich bin, fühlte ich mich auch durch Aussagen “Warum fällt dir das nur so schwer?“ erniedrigt und weniger wert. In der Begegnung mit anderen fühlte ich mich oft schlecht. Jetzt lerne ich die Worte anderer auf die Wahrheit Gottes zu prüfen und zu akzeptieren, dass nicht immer alles harmonisch abläuft. Nicht jeder Mensch muss mich mögen!

Durch die Gespräche, Gebete und Bibelstellen konnte ich so viel lernen und wirklich eine lebendige Beziehung mit Gott eingehen. So betete ich mit Herrn Becker für die Befreiung von mich belastenden Aussagen, ich bat um Vergebung meiner Sünden und sprach mich los von all meiner Vorfahrensünden sowie belastenden Ereignissen (ich erkannte, dass da wirklich einiges war und ist). Zentrale Erkenntnisse für mich waren z.B., dass ich Lob aus Dankbarkeit dem Herrn gegenüber annehmen darf. Dass perfekt sein wollen sündigen ist, denn wir sind Menschen und nicht Gott. Und dass es nicht sympathisch, nahbar macht. Sondern dass es um das “Mensch sein” geht!”

Ein Thema, was mich auch noch beschäftigte war, dass ich nicht wirklich oft/ immer Hungergefühle hatte. Im Gespräch haben wir erkannt, dass es nicht nur darum geht meine Essenskontrolle abzugeben, sondern auch mein Angst vor dem Kontrollverlust (vor dem Dickwerden z.B.). Dazu brachte Herr Becker eine sehr gute Metapher: Wenn man versucht etwas in den Griff zu bekommen (plastisch eine Röhre vorstellen) drückt man sie ab. In der Bibel steht dazu: “Ich meine es gut mit dir, Fürchte dich nicht, hab keine Angst. Ich meine es gut mit dir und gebe dir Hoffnung und Zuversicht”. Jremia 29,11). Der himmlische Vater wird gut für mich sorgen, wenn ich loslasse. Nach einem Gebet dazu  ist in mir etwas bedeutendes freigeworden. Die innere Anspannung hat sich gelegt und ich habe von da an aufgehört mich zu wiegen und immer nachvollziehen zu wollen, was ich gegessen habe.

Zudem versuche ich meine Stimmung nicht mehr so davon abhängig, was ich geleistet habe an dem einzelnen Tag. Ich bin auch so unendlich wertvoll für Gott. Denn wenn ich alles was ich tue, mit ganzen Herzen für den Herrn tue, werde ich auf jeden Fall Großes vollbringen.

Jetzt kann ich wirklich mit Power, Energie und Begeisterung leben. Meine Interessen sehe ich als Möglichkeiten! Wenn mir gerade mal wieder alles zu viel ist, denke ich daran, wie dankbar ich dafür sein kann, welch ein Leben in Fülle mir Gott schenkt! Durch persönliche Gebete habe ich gemerkt und merke ich, wie ich eine lebendige Beziehung mit Gott führen kann.

Im christlich-therapeutischen Seelsorgezentrum bei Herrn Becker konnte ich wirklich die Gründe erkennen, um meine Werte und Verhaltensweisen zu ändern. Dass ich Gott auch nicht in einem Bereich meines Lebens ausschließe, sondern vielmehr nach den Worten: “Verlass dich nicht auf deine eigene Urteilskraft, sondern vertraue voll und ganz dem Herrn. Denke bei jedem Schritt an ihn; er zeigt dir den richtigen Weg und krönt dein Handeln mit Erfolg” (aus Sprüche 3,5-6) lebe.

Wenn jemand noch mehr von mir und meinem Weg erfahren möchte, kann er sich gerne unter der Mail jojo.ueltzhoeffer@web.de bei mir melden.

Ich bin so unendlich dankbar bei Herrn Becker gewesen zu sein und mich nun so frei und lebendig zu fühlen mit Jesus an meiner Seite.

J.U.

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