Bulimie

Essstoerung_1

Magersucht – doch die Mauern sind gefallen!

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, sprach der Heilige Geist in meiner Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu mir: Was hatte ich noch zu verlieren?!

Gefangen in einem Kreislauf aus Kontrolle, Zwang, Hunger und Selbstkasteiung – das waren über viele Jahre hin die Mauern meines Lebens. Eine Welt der Unfreiheit, Abhängigkeit und der ständigen Angst, zu versagen und den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

Schon seit frühester Kindheit war das Essen in meiner Familie ein „großes Thema“ und Ausgangspunkt für zahlreiche Konflikte! Auch wenn die Portionsgrößen und Kalorien damals noch keine Rolle spielten, war die Auswahl der Lebensmittel schon immer sehr begrenzt. Von Geburt an war ich eher unter- als normalgewichtig und hatte keinerlei Grund, auf irgendetwas zu verzichten. Dennoch begann ich schon als Teenager, mir (zunächst nur) Süßigkeiten zu untersagen – ein schleichender Prozess, der nicht das Ziel des Abnehmens verfolgte, sondern ein verzweifelter Hilfeschrei war: ein Hilfeschrei nach Anerkennung, Wertschätzung, Aufmerksamkeit und aufrichtiger Liebe! Dass es mir daran fehlte, sollte durch meinen „Hungerstreik“ unübersehbar werden. Obwohl meine Eltern immer für mich da waren (- ich bin 18 Jahre alt und Einzelkind!) und mir all meine Bedürfnisse erfüllen wollten, erlebte ich viel Kritik, Druck, Ablehnung und Zurückweisung, sodass ihre Liebe und Zuwendung mir nicht echt erschienen und nicht zu mir durchdringen konnten. Stabilität, Halt und Anerkennung versuchte ich mithilfe schulischer Leistung zu erlangen – erfolglos. Trotz hervorragender Noten blieb diese Leere in mir. Zunächst verlieh ich diesem Gefühl durch Worte Ausdruck, doch da ich auf verbaler Ebene nicht gehört und somit nichts verändert wurde, versuchte ich meinem Hilfeschrei über mein Essverhalten Gehör zu verschaffen, was sich im Laufe der Zeit immer mehr verselbstständigte. Das, wovon ich glaubte, es unter Kontrolle zu haben, kontrollierte in Wahrheit längst mich und machte mich zum Sklaven meiner selbst!

Diese Gebundenheit übertrug sich je länger desto mehr auf alle meine Lebensbereiche: In meiner von Kalorien beherrschten Welt war weder Platz noch Zeit für Freundschaften, Freude oder Freizeit. die_Bullemie_besiegen Auch aufgrund des Schamgefühls, das mich unentwegt begleitete, zog ich mich immer mehr zurück und lebte schließlich in völliger Isolation. Selbst meine Beziehung zu Jesus litt unter der Essstörung, obwohl ich seit meiner Kindheit in den Gottesdienst ging und an Jesus glaubte. Meine Schuldgefühle machten es mir letztendlich nicht einmal mehr möglich, zu beten und Gott mein Herz auszuschütten. Ich lebte nicht mehr, ich existierte nur noch. Einen Sinn gab es für mich nicht mehr, nichts machte mein Leben noch lebenswert. Jeder Tag war ein erneuter Kampf. Diese ständige Anspannung und der immer wieder auftretende Streit innerhalb der Familie – meine Eltern waren voller Angst um meine Gesundheit! – raubte uns allen enorm viel Kraft und das Aufrechterhalten der Fassade, alles sei gut.

Ich sehnte mich nach einem Ausweg aus diesem Gefängnis und begann, überall nach Hilfe und Unterstützung zu suchen. Da ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit war, die vermeintliche Kontrolle und Sicherheit abzugeben und loszulassen, blieb jeder Versuch, endlich frei zu werden, ohne Erfolg. Als ich schließlich vor die Entscheidung gestellt wurde, in die Klinik zu gehen (- ich wog nur noch 30 Kg!) oder mein Essverhalten zu Hause zu ändern, wählte ich Letzteres. Doch das gelang mir nicht ohne seelsorgerlich-therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, die ich bei Herrn Becker im Christlich Therapeutischen Seelsorgezentrum in Heidelberg fand. Mir war von Anfang an bewusst, dass mit dieser Entscheidung auch eine Übergabe der Esskontrolle an Gott einhergehen musste, wozu ich zunächst auch bereit war. Nachdem ich dies getan hatte, erlebte ich umgehend Erleichterung hinsichtlich der Bewältigung der Mahlzeiten – die erste Mauer erhielt Risse! Doch dann begann meine Suche nach erneuter Sicherheit, die ich durch das akribische Abwiegen von Lebensmitteln zu erlangen glaubte. Ich aß zwar mehr als bisher, doch ich setzte mir meine Grenzen so, dass ich weiterhin die Kontrolle behielt beziehungsweise sie mir Stück für Stück wieder von Gott zurückholte.

Die Gespräche mit Herrn Becker öffneten mir die Augen über viele falsche Denk- und Verhaltensmuster, die sich im Laufe der Jahre eingespielt und verfestigt hatten; dadurch wurde ich bereit, noch mehr zu verändern, jedoch stets in einem für mich akzeptablen Rahmen. Daher war zunächst keine der Veränderungen nachhaltig. Auch wenn ich mir all der Grenzen, die mich einengten, bewusst war, schaffte ich es nicht, aus ihnen auszubrechen. In einem langen Gespräch mit meiner Mutter, das sich bis in die tiefste Nacht zog, wurde mir klar, dass ich mich selbst betrog: ich aß zwar jetzt mehr, jedoch noch immer in völliger Kontrolle, Gebundenheit.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, sprach der Heilige Geist in meiner Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu mir: Was hatte ich noch zu verlieren?! So betete ich laut zu Gott und teilte ihm meinen Entschluss mit, dass ich meinen Willen nun endlich dem Seinem unterordne, nie wieder der Kontrolle halber etwas abwiege und stattdessen essen werde wann, was und wie viel ich wirklich will. Mit tiefem Frieden erfüllt machte ich meinen Eltern und mir an Heiligabend das schönstmögliche Weihnachtsgeschenk!

Seitdem lebe ich wieder!!! Ich genieße Tag für Tag die neu gewonnene Freiheit, die mir Gott schenkt, und an seiner Hand erwarte ich Großes für meinen weiteren Weg. Ich weiß, dass er mich führen wird, solange ich ihm nur vertraue und „abhängig“ von ihm bleibe. Die Harmonie, nach der ich mich immer gesehnt habe, ist nun zu Hause eingekehrt und ich fühle mich geliebter als je zuvor!!
Gott hat die Mauern, die ich um mich und mein Leben errichtet habe, Schritt für Schritt in Schutt und Asche gelegt (!) – innerhalb von 4 Monaten, seitdem ich Hilfe im Christlich Therapeutischen Seelsorgezentrum in Heidelberg in Anspruch genommen habe. Gott sei Dank und alle Ehre dafür!

C.L.

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